Berittenes Bogenschießen

Dieser Artikel behandelt das Thema „berittenes Bogenschießen“ und ist Teil der Serie zum Thema Bogensport-Disziplinen. Hier geht es zur Übersicht aller Ratgeber. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Besonderheit berittenes Bogenschießen hat, welche Techniken angewendet werden und welchen Bogen man zum Bogenreiten benötigt.

Was ist berittenes Bogenschießen?

Berittenes Bogenschießen ist ein Bogensport und eine Kampfkunst zugleich. Bei dieser Sportart wird vom Pferd aus in allen Gangarten mit Pfeil und Bogen auf Zielscheiben geschossen.

Berittenes Bogenschießen hat seinen Ursprung bei den historischen Reitervölkern wie Skythen, Hunnen, Kök-Türken und Mongolen. Um zu überleben und sich zu verteidigen, entwickelten sie besondere Fähigkeiten in der Koordination von Reiter, Pferd, Pfeil und Bogen.

Da berittenes Bogenschießen vom Pferd aus sehr komplex war, viel Übung und körperliche Balance zwischen Reiter und Pferd voraussetzten, hatten die Reiter ein hohes Ansehen in ihrer damaligen Kultur.

Die wichtigste Basis beim Bogenreiten ist auch heute noch die Harmonie zwischen dem Reiter und seinem Pferd. Denn da man beim Schießen freihändig reitet und nicht die Zügel hält, ist es notwendig, eine gute Pferdeausbildung zu absolvieren und gegenseitiges vertrauen zwischen einem selbst und seinem Pferd aufzubauen.

Berittenes Bogenschießen
Berittenes Bogenschießen ist gleichzeitig ein Bogensport und Kampfsport. Bei dieser Sportart ist die Balance und Harmonie zwischen Mensch und Pferd sehr wichtig.

Berittenes Bogenschießen: Mit und auf dem Pferd trainieren

Voraussetzung für berittenes Bogenschießen ist, dass der Reiter absolute Kontrolle über sein Pferd hat. Er muss dazu imstande sein, sein Pferd freihändig zu reiten, in der Geschwindigkeit zu regeln und in unvorhersehbaren Situationen schnell einzugreifen, um Schäden am Pferd und an Personen zu verhindern. Wird an einem Wettkampf mit einem Leihpferd teilgenommen, sollte dieses nach den Fähigkeiten des Reiters ausgewählt werden.

Beim Bogenreiten ist es außerdem wichtig, das Pferd an bestimmte Geräusche und Berührungen zu gewöhnen. Es sollte keine Angst vor dem Klappern der Pfeile, dem Schellen der Sehne oder vor lauten Menschenmassen in einem Wettkampf haben. Da Pferde hoch sensible Tiere sind, sollten sie auch an Berührungen mit Bogen, Pfeil oder Köcher gewöhnt werden.

Berittenes Bogenschießen erfolgt meist in die linke Richtung. Deshalb ist es von Vorteil, sein Pferd im Linksgalopp reiten zu können, damit die Bewegungen des Reiters und des Pferdes in Harmonie zueinander stehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sein Pferd in allen Gangarten kontrollieren zu können. Gleichgewichtsübungen auf dem Pferd haben daher oberste Priorität. Zu diesen Übungen gehören auch das Reiten ohne Sattel.

Schießtechniken beim Bogenreiten

Beim Schießen wird die Sehne über die Brustmitte gezogen und in einer fließenden Bewegung gelöst, ohne zu ankern. Dabei müssen die Bogenhand und der Schultergürtel auf das Ziel zeigen. Wie beim japanischen Sportbogenschießen erfolgt die Einstellung intuitiv und resultiert aus den Erfahrungswerten im Training.

Als Schießtechnik wendet man die mediterrane Technik oder die Daumentechnik an. Für welche man sich entscheidet, hängt von den eigenen Vorlieben, des Ziels und der Geschwindigkeit des Pferdes ab.

Allerdings haben beide Schießtechniken spezielle Vorteile, die sich nach der Reitgeschwindigkeit richten.

  • Langsames Reiten: Bei einem langsamen Pferd empfiehlt sich die mediterrane Technik, Denn im Galopp ist der Luftwiderstand, der den Pfeil vom Bogen nach hinten weg drückt, nur wenig spürbar.
  • Schnelles Reiten: Die Daumentechnik ist bei einem schnellen Pferd zu empfehlen. Denn der Luftwiderstand drückt den Pfeil an den Bogen.

Welchen Bogen braucht man für berittenes Bogenschießen?

Berittenes Bogenschießen ist grundsätzlich mit jeder Bogenart möglich. Jedoch empfiehlt es sich, auf einen kurzen Bogen zurückzugreifen, damit der Bogen nicht in Berührung mit dem Rücken des Pferdes kommt. Dies stört nicht nur den Bewegungsablauf sondern kann auch zu Verletzungen führen.

Der ideale Bogen für berittenes Bogenschießen ist daher entweder ein Kurzbogen, Recurvebogen oder ein stark asymmetrischer Bogen, wie man ihn beim Japanischen Bogenschießen verwendet. Diese Bogenarten ermöglichen es, schnell nach vorne, zur Seite und nach hinten zu schießen.

Die beste Zugkraft erreicht man vor allem mit Kompositbögen mit Recurve-Eigenschaften.

Berittenes Bogenschießen lernen: Wo gibt es Vereine oder Kurse?

Wer sich für berittenes Bogenschießen interessiert und an einem Kurs teilnehmen bzw. einem Verein beitreten möchte, der wird über das Internet schnell fündig. Dort findet man verschiedene Anbieter, die einen mehrtägigen Kurs für Anfänger anbieten. Die Kurse sind für jeden ab 10 Jahren bis ins hohe Alter geeignet und man braucht nicht unbedingt ein Pferd oder Ausrüstung. Gewisse Erfahrung mit dem Umgang mit Pferden ist allerdings von Vorteil.

In vielen Kursen wird eine begrenzte Anzahl an Leihpferden, Bögen und Pfeile für eine kleine Gebühr zur Verfügung gestellt. Wer ein eigenes Pferd, Pfeil und Bogen hat, kann diese jedoch auch mitbringen. Für die Pferde gibt es meist (Weide-)Paddocks und Ställe zu Tagespreisen zu mieten.

Als Anfänger lernt man in einem Kurs für berittenes Bogenschießen zunächst die Grundkenntnisse rund um Bogen, Pfeil und Schießtechniken, sowie dem Schießen zu Pferd. Diese Kenntnisse und die benötigten Bewegungsabläufe werden im Anschluss mit Trockenübungen geübt, bevor es schließlich auf das Pferd geht.

Gibt es keine Kurse für berittenes Bogenschießen in Ihrer Nähe, dann können Sie auch einen Anbieter anfragen, der seinen Kurs bei Ihnen vor Ort anbietet. Voraussetzung ist meist eine bestimmte Anzahl an Teilnehmern und ein geeigneter Ort zum üben (Reiterplatz, eigener Hof und Weide oder Grasbahn). Bei mobilen Kursen werden meist nur die Fahrtkosten zusätzlich in Rechnung gestellt.